Storytelling 4.0: Neue Möglichkeiten für Purpose-Unternehmen

von Jonas | 22. Mai, 2022

Wenn Du anfängst Dich mit Storytelling im unternehmerischen Kontext zu beschäftigen, wirst Du schnell auf folgende Aussage treffen: “Stories are remembered up to 22 times more than facts alone” (1). Da wirklich so ziemlich jeder Storytelling-Artikel mit dieser von der Stanford University stammenden Erkenntnis anfängt, wollte ich nicht aus der Reihe tanzen und habe das hiermit jetzt auch getan. So…, erster scheinbar obligatorischer Aspekt für einen Artikel über Storytelling abgearbeitet, lass uns also loslegen!

Recap:

In meinem letzten Artikel “Bridging the Attitude-Behaviour-Gap: Was Foodies falsch machen und wie Blockchain helfen kann” bin ich der Frage auf den Grund gegangen, warum so viele Menschen sagen sie möchten nachhaltig konsumieren, es aber nur selten umsetzen. Diese “Swinging KonsumentenInnen” sind eine Schlüsseltargetgroup für Purpose-Unternehmen, um ihr Wachstum sichern- und sich nachhaltig am Markt etablieren zu können. Des Weiteren sind diese KonsumentenInnen aber vor allem auch entscheidend dafür, die menschliche Existenz auf dem Planeten Erde sicherstellen zu können. Inzwischen haben es die meisten verstanden, dass die Art wie wir leben und konsumieren unsere Umwelt zerstört. Die wenigen, welche dies nicht akzeptieren und verstehen wollen, zu überzeugen, ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Gegen manche Meinungen kommt man mit Verstand eben nicht an. Der Philosoph Gert Scobel spricht diesbezüglich von der “Banalität des Dummen”. Menschen, die bereits nachhaltig konsumieren wollen, dazu zu bewegen, dies auch zu tun, ist aber alles andere als gegen Windmühlen zu kämpfen. Es ist viel eher wie Drachen im Sturm steigen zu lassen.

Allgemein anerkannt scheint es zu sein, dass es das erfolgsversprechenste zum Überwinden von Attitude-Behaviour Gaps ist, in folgenden vier Bereichen wettbewerbsfähig zu werden:

  • Preis
  • Qualität,
  • Verfügbarkeit
  • Markenbekanntheit

Das stimmt auch, aber viele KonsumentenInnen nehmen kleinere Benachteiligungen in diesen Kategorien hin, wenn sie dafür mehr Nachhaltigkeit & Purpose erhalten. Nachhaltigkeit und Purpose sind aber verdeckte Produktattribute! Im Supermarkt kann man sie genauso wenig überprüfen und vergleichen wie im Online-Store. Die richtigen, verständlichen und vertrauenswürdige Informationen zur Verfügung zu stellen, ist daher der fünfte Bereich, in welchem Purpose-Unternehmen sich verbessern sollten. OURZ lässt an dieser Stelle übrigens einmal ganz lieb grüßen ;).

Warum ist Storytelling für Dich wichtig?

Wenn die richtigen, verständlichen und vertrauenswürdigen Informationen zur Verfügung stehen, ist ein weiterer bedeutender Schritt für das Schließen der Lücke zwischen Einstellung und Verhalten die Einbindung der KundenInnen (2). Der KundenInnen Wille mehr über ein Produkt zu erfahren, kann davon abhängig angesehen werden, inwiefern er*sie es als für sich persönlich relevant hält (3). Wenn KonsumentenInnen ausreichend Interesse an einem Produkt entwickeln, kann davon ausgegangen werden, dass Verhaltensweisen wie unter anderem das ausführliche Recherchieren von Informationen, die Bildung einer positiven Meinung über das Produkt, die Häufigkeit der Produktnutzung, die Freude am Konsum und die Produktloyalität positiv beeinflusst werden (4).

An dieser Stelle kommen wir also zum Storytelling, denn wie könnte jemand besser eingebunden werden, wenn nicht über eine gute Story. Ganz abgesehen davon, steigert eine (oder mehrere) gute Stories aber natürlich auch die Markenbekanntheit, was ja einer der oben genannten klassischen Wege zum Erfolg ist. Was ist also Storytelling und warum sind manche neue Technologien, vor allem die Blockchain, in diesem Zusammenhang eine Überlegung wert? Lass uns erstmal mit normalen Prä4.0-Storytelling anfangen!

How to Tell a Story

Das erzählen von Geschichten ist kultur- und zeitübergreifend, ein zentrales Merkmal des menschlichen Seins (5). Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, um den Umgang mit der Komplexität von sozialen Beziehungen trainieren zu können, Geschichten zu emphatisieren (5). Durch Stories wird bei uns Oxytocin ausgestoßen, durch welches wir empathischer und kooperationsfreudiger werden (6). Um dies zu erreichen, sollte die Story sich um Menschen, ihr Problem und den Triumph über das Problem drehen (6). Es geht dabei darum, Emotionen und Informationen miteinander zu verbinden (7). Menschen akzeptieren Informationen eher, wenn sie im “Storymode” sind, als wenn sie im kritischen “Factmode” sind (5).

Eine Geschichte besteht, halte Dich fest, aus einem Anfang, einer Mitte und einem Ende (1). Spare Dir aber beim Anfang eine lange Einleitung, eine gute Story muss mit einem Konflikt und Spannung anfangen (8). Die besten Geschichten sind außerdem einfach und straightforward (9). Ganz wichtig beim unternehmerischen Storytelling ist es, dass es nicht darum geht KundenInnen zu generieren, sondern das Ziel ist eine Gemeinschaft entstehen zu lassen (7). Überlege Dir genau wen Du mit Deiner Story erreichen möchtest, was du mit Deiner Story erreichen möchtest und wie Du das durch eine Story erreichen kannst (8). Je nach Publikum musst Du die Gewichtung zwischen Informationen und Emotionen verändern, zu viele Informationen sind genauso schlecht wie zu wenige (8). Den größten Fehler den Du begehen könntest, wäre es Dich zur Heldin Deiner Geschichte zu machen (9). Überlege am besten wie Du die ZuhörerInnen zu HeldenInnen machen kannst.

Storytelling 4.0

Die “sience” fiction of yesterday is today becoming a reality” heißt es im Vorwort zu dem Buch des World Economic Forum Gründers Schwab über die vierte industrielle Revolution (10). Storytelling 4.0 verwende ich als Begriff hier in Anlehnung an den der Industrie 4.0. Dieser stammt von einem von der deutschen Bundesregierung initiierten Arbeitskreis, welcher die technologischen Fortschritte der Digitalisierung und die mögliche Bedeutung dieser für die deutsche Industrie untersuchte. Dabei kam die Arbeitsgruppe zu dem Schluss, dass durch die Entwicklung „intelligenterer Überwachungs- und autonomer Entscheidungsprozesse“ (11) das Potenzial einer solchen industriellen Transformation bestehe, dass von einer vierten industriellen Revolution gesprochen werden könne.

Im Zentrum dieser Revolution durch “intelligente Überwachungs- und autonomer Entscheidungsprozesse” stehen Technologien zur Datenerfassung (u.a. Sensoren), Datenspeicherung (v.a. Blockchains & Clouds) und Datenverarbeitung (v.a. Big Data & AI). Während das Potenzial dieser neuen Technologien vor allem bei der Effizienzsteigerung entlang unternehmerischer Wertschöpfungsketten gesehen werden, bergen sie auch riesigen Potenziale in anderen Bereichen, wie eben beispielsweise auch im Corporate-Storytelling. Kommen wir also zu den vier neuen 4.0 Möglichkeiten des Storytellings.

1.0 Rückvollziehbares Storytelling

Die neuen Technologien verursachen nicht nur eine industrielle Revolution, sie verursachen auch eine Vertrauensrevolution. Vertrauen, welches bisher einen personalen oder systemischen Ursprung hat, kann jetzt aus der Verbindung der neuen technologischen Möglichkeiten für Datenerhebung, Datenspeicherung und Datenverarbeitung generiert werden. Im Zentrum alles Geschehens befindet sich die Blockchain Technologie, welche “trust through clever code” (12) entstehen lässt. Giddens vermerkte bereits vorm Anbruch dieses Jahrtausends: „There would be no need to trust anyone whose activities were continually visible and whose thought processes were transparent” (13) und Simmel stellte vor über 100 Jahren fest: „Der völlig Wissende braucht nicht zu vertrauen, der völlig Nichtwissende kann vernünftigerweise nicht einmal vertrauen“ (14). Bei zukünftigen Stories braucht sich niemand mehr fragen, welcher Teil wahr und welcher erdacht ist, denn dank der 4.0 Technologien ist das in mikrosekundenschnelle überprüfbar — jede Information jeder Story ist zu ihrem Ursprung rückverfolgbar, für immer unverfälschlich.

2.0 Echtzeit Storytelling

Real-Stories are about the past? 4.0 Stories are real-time! Durch die vertrauensschaffende Rückvollziehbarkeit von Informationen sind 4.0 Stories zwar ebenfalls ein Fenster in die Vergangenheit, doch sie sind ebenso ein Fernrohr hin zu einem anderen Ort der Gegenwart. Durch Entwicklungen wie der Arbeitsteilung und Globalisierung sehen wir kaum noch wie die Produkte, die unser Leben prägen, entstehen. Wir haben die Verbindung zu ihnen und zu jenen, welche sie herstellen, verloren. Durch die neuen technologischen Möglichkeiten können wir das wieder ändern. Die KundenInnen können beispielsweise beim Produkt-Storytelling 4.0 nicht nur über einen QR-Code sehen von wo & wem das Produkt stammt, welches sie überlegen zu kaufen (Vergangenheit), sondern sie sehen auch, was dort genau zu dem Zeitpunkt geschieht, in welchem sie via eines QR-Codes (im online Store oder auf der Verpackung) die Story 4.0 abrufen (Echtzeit).

3.0 Integratives Storytelling

Wie bereits festgestellt, kann es Sinn machen die KonsumentenInnen zu den HeldenInnen der Geschichte zu machen. Ist der Kauf einer Deiner Mahlzeiten mit dem Pflanzen eines Baumes verbunden? Lass Deinen KonsumentenInnen wissen, wann das Geld an die Baumschule gegangen ist und lass Ihnen ein Bild dieses Baumes zukommen, sobald dieser gepflanzt wurde! Geht es bei Deinen Produkten darum die ErzeugerInnen von Mund- & Nasenschutzmasken fairer zu entlohnen? Zeig Deinen KonsumentenInnen, welche ArbeiterInnen an Ihren Masken beteiligt waren und gib Ihnen die Möglichkeit diesen via eines virtuellen Herzens danke zu sagen oder sie gar durch ein kleines Trinkgeld zu unterstützen. Lass sich über den Purpose Deines Unternehmens bzw. Produktes Beziehungen entwickeln und Communities entstehen!

4.0 Adaptives Storytelling

Den richtige Mix aus Informationen und Emotionen ist entscheidend bei einer Story. Doch gibt es überhaupt den richtigen Mix? Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse nach Informationen. Während für manche wenige Informationen schon zu viele sind, kann es für andere gar nicht genug geben. Speziell nachhaltigkeitsorientierte KonsumentenInnen (15) und jüngere Generationen (16) haben einen großen Informationsbedarf. Die von diesen klassischen Zielgruppen von Purpose-Unternehmen geforderte Informationsdichte kann aber womöglich die “Swinging-KonsumentenInnen” überfordern und abschrecken. Dies wäre aber, wie bereits festgestellt, fatal für die Nachhaltigkeitsbewegung in der Wirtschaft und Gesellschaft. Die 4.0 Technologien ermöglichen es hier den Informationsgehalt jeder Story zu individualisieren. Des Weiteren können je nach Interessen vermehrt soziale oder ökologische Aspekte miteinbezogen werden, eher regionale oder globale Aspekte, eher gesundheitliche oder nachhaltigkeitsorientierte Aspekte etcetera etcetera etcetera. Außerdem können auch je nach Standort die Stories angepasst werden, wird eine 4.0 Story über einen QR-Code zu Hause gescannt (was unserer Erfahrung von OURZ nach in 3/4 der Scans der Fall ist), darf die Story definitiv ausführlicher sein, als wenn der QR-Code z.B. im Supermarkt gescannt wird. Stories können jetzt die Geschichte erzählen, welche den Interessen und (situativen) Bedürfnissen der KonsumentenInnen entsprechen.

Mein Fazit

Klingt Interessant, aber doch eher nach Zukunft? Ich beobachte mit zunehmender Sorge einen höchst kritischen Trend. Viele Großkonzerne haben Grün & Nachhaltig als extrem profitables Segment identifiziert. Beispielsweise kam 70% des Umsatzwachstums von Unilever bereits 2017 von ihren “Sustainable Living Brands” (17). Missversteh mich bitte richtig: Ich finde es toll, dass sich die ganz Großen mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Kleine Änderungen bei ihnen können große positive Auswirkungen haben. Wir von OURZ würden ihnen nur zu gerne Helfen, ihre Wertschöpfungsketten verstehen zu lernen. Doch das halbherzige Engagement gepaart mit gezieltem Greenwashing von zu vielen Konzernen, schädigt derzeit das Vertrauen in die Nachhaltigkeitsbewegung (18)! Während es immer mehr Purpose-PionierInnen der Nachhaltigkeit schaffen durch ihr Herzblut und Schweiß den Eco-Growth voranzutreiben, infiltrieren im gleichen Atemzug immer mehr Großkonzerne genau diese wachsende “Nische”. Vertrauen ist wie eine Allmende. Wenn alle sie pflegen, können auch alle wunderbar von ihr leben. Doch selbst wenn nur wenige sie auf Teufel komm raus zum eigenen kurzfristigen Profit ausnutzen, hat bald niemand mehr etwas von ihr.

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Um dies zu verhindern, müssen Purpose-Unternehmen von ihren Geheimwaffen gebrauch machen. Radikale Transparenz & Authentizität. Viele wenden sie bereits an, vergessen dabei aber, wie geschädigt das Vertrauen der KonsumentenInnen bereits ist. Radikale Transparenz hilft nur, wenn die Transparenz glaubwürdig ist und all die offenbarten Daten smart dargestellt werden. Hier kann Storytelling 4.0 helfen. Basierend auf der Authentizität und dem Social Impact von Purpose-Unternehmen hat Storytelling 4.0 das Potenzial zum Game-Changer für die Nachhaltigkeitsbewegung zu werden — und zwar schon heute!

Quellen

  1. Aaker (2019): Harnessing the Power of Stories.
  2. Gupta & Ogden (2006): The Attitude-behavior Gap in Environmental Consumerism.
  3. Celsi & Olson (1988): The Role of Involvement in Attention and Comprehension Processes.
  4. Vermeir & Verbeke (2008): Sustainable Food Consumption Among Young Adults in Belgium.
  5. Hsu (2008): The Secrets of Storytelling.
  6. Zak (2014): Why Your Brain Loves Good Storytelling.
  7. Da Costa (2019): 3 Reasons Why Brand Storytelling Is the Future of Marketing.
  8. Schramm (2014): A Refresher on Storytelling 101.
  9. O’Hara (2014): How to Tell A Great Story.
  10. Benioff (2017): Vorwort in “The Fourth Industrial Revolution”.
  11. Kagermann, Lukas & Wahlster (2011): Industrie 4.0 — Mit dem Internet der Dinge auf dem Weg zur 4. industriellen Revolution.
  12. Tapscott & Tapscott (2016): Blockchain Revolution — How the Technology Behind Bitcoin is Changing Money, Business, and the World.
  13. Giddens (1996): The Consequences of Modernity.
  14. Simmel (1908): Soziologie — Untersuchungen über die Form der Vergesellschaftung.
  15. Glöckner, Balderjahn & Peyer (2010): Die LOHAS im Kontext der Sinus-Milieus.
  16. Nielsen (2019): Gen Z Sustainable Consumers Go Digital.
  17. edie newsroom (2018): Sustainable Living Brands Delivered 70% of Unilever’s Turnover Growth Last Year.
  18. ZDF (2019): Grüne Versprechen – Wie Verbraucher getäuscht werden; ZDF (2019): Der Trick mit dem Greenwashing; ZDF (2020): Mythen – Die großen Irrtümer der Nachhaltigkeit (-> Ich habe mich mal auf einen Sender und die letzten Monate beschränkt).
  19. InSights (2020): The State of Consumer Spending.

The Supply Chain Due Diligence Act

von Jonas | 17. Mai, 2022

Overview of the Supply Chain Due Diligence Act 

In order to further protect internationally recognized human rights and environmental standards, the German Federal Parliament passed the Supply Chain Due Diligence Act on 11 June 2021. This law is the first in Germany for business companies to establish binding standards related to human rights and the environment. It requires that companies take responsibility for human rights and environmental due diligence obligations along their supply chains. The scope of application covers companies with at least 3,000 employees that have their statutory seat, principal place of business or a branch office in Germany and foreign companies’ German branch offices if it employs 3,000 employees and more. The size of the scope will expand and companies with 1,000 or more employees will be affected from 2024 onwards. On January 1, 2023, the Act will enter the force, in-scope companies must identify and assess risks to human rights and the environment within their supply chains, and establish effective risk management systems.

In-scope area and companies’ obligations

The Supply Chain Due Diligence Act impacts two areas of companies. The first one is business operations. The own business area includes all business activities worldwide and includes dominated subsidiaries, especially activities with regard to production, product refinement and service provision. The second one is the companies’ supply chains. The supply chain includes all products and services of a company and all production steps in Germany and abroad which are necessary for the production or the performance of service. The supply chain due diligence duties extend through the total supply chain, from raw material extraction to the delivery of the product to the end-user, both upstream and downstream. The Act requires companies to adopt the highest standard of obligations regarding their business operations and the operations of direct suppliers.

In the case of the operations of indirect suppliers, companies only have a duty to end a violation if the violation occurs in their own business area. The Act requires companies to take measures and carry out a risk analysis once they believe that human rights abuses or environmental damages have occurred. Numerous sources may be deemed to provide companies with grounds for believing that human rights abuses or environmental damages have occurred, such as the fact that an indirect supplier operates in a sector with high exposure to human rights or environmental risks. The Act builds on the conviction that the vast majority of human rights abuses and environmental damages occur in the extended supply chain.

Targeted human rights abuses & environmental issues

The Supply Chain Due Diligence Act requires companies to address the following human rights violations and environmental issues:

  • child labor
  • forced labor
  • forms of slavery
  • disregard of workplace safety standards
  • disregard of the right to freedom of association 
  • discrimination against employees
  • denial of a decent wage
  • unlawful displacement of persons
  • violence on the part of security forces
  • environmental damages that entail human rights abuses (damage to soil, water pollution, air pollution, noise pollution, and excessive water consumption)
  • environmental degradation

Additional duties & Fine police

In particular, companies are required to set up a risk management system and grievance mechanisms, and report on an annual basis to the German government on the regulated activities.

If companies fail to comply with their obligations, fines (of up to 800,000€) and penalties will be applied.  

The future impact of the Act 

The Supply Chain Due Diligence Act can be seen as  a major step with regard to protecting all human rights in companies’ supply chains, and also plays an important role in global sustainable development. In the context of globalized trade, supply chains extend across the entire world and the diversity of stakeholders increases, which leads to environmental degradation and serious labor issues. The International Labour Organization (ILO) estimates that 25 million people worldwide are victims of forced labor, while global environmental damage is also steadily increasing, according to the UN.  Nowadays, transparent supply chains are urgently needed for sustainable development. By increasing transparency, companies can ensure sustainable production and avoid labor from exploitation. Because of this, The Act requires companies to increase transparency requirements in their supply chains on a regular basis, and strictly combats low social responsibility and low environmental standards in global supply chains. Although the Act only applies to large businesses, in the medium term, the new Act will also affect small and medium businesses, as they are part of the supply chains of companies in the scope of the Act. In addition, since companies are increasingly taking responsibility for social and environmental sustainability violations committed by their contract suppliers, the whole supply chain standard will be increased and consumers will have higher requirements accordingly, which can also impact those companies that are not in the scope of the framework at this point. Sustainability is the inevitable trend of supply chain development. Increasing transparency and ensuring corporate social responsibility should therefore be the top priorities for all companies, no matter the size. 

Bridging the Attitude-Behaviour-Gap: Was Foodies falsch machen und wie Blockchain helfen kann

von Jonas | 16. Apr, 2022

Du befindest Dich irgendwo in der Londoner Innenstadt. Eigentlich wolltest Du nur kurz aus Deiner Haustür hinaus, um zur Bäckerin nebenan zu gehen. Jetzt weißt du nicht mehr wo Du bist. Du hast jegliche Orientierung verloren. Wenn Du nach unten schaust siehst Du Deine Füße nicht mehr, wenn Du deine Arme nach vorne streckst verschwinden Deine Hände. Alles um dich herum ist unter einem schweren und alles erdrückenden Grau verborgen. Du gerätst in Panik und willst einen tiefen Atemzug nehmen, um Dich zu beruhigen, doch was da in Deine Lungen fließt ist keine Luft, sondern ein beißender Rauch. Du fängst an zu Keuchen und zu Husten. Von überall um Dich herum hörst du andere Menschen das gleiche tun, aber sehen kannst du niemanden.

Durch den “Great Smog”, einer durch industrielle Prozesse entstandenen Giftwolke in der Londoner Innenstadt im Jahr 1952, haben bis zu 12.000 Menschen ihr Leben verloren (1). Der Begriff Umwelt bekam daraufhin eine reale Bedeutung. Immer mehr Menschen interessierten sich für diese sogenannte “Umwelt”. Insbesondere die zu Blumen und Gras geneigte 68er Bewegung hat sich für ein besseres und bewussteres Verhältnis der Menschen zu dieser engagiert. Nach vielen Protesten kam es dann auf Vorschlag Schwedens im Jahr 1972 zur ersten UN-Klimakonferenz. Diese Konferenz, an welcher 112 Staaten (wahrscheinlich hauptsächlich wegen der versprochenen Kjötbollur) teilgenommen haben, hat unter anderem folgende drei Punkte festgehalten: Der Mensch kann seine Umwelt verändern, die Umwelt ist für den Menschen wichtig und alle Menschen, Staaten und Unternehmen müssen sich für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt engagieren(2). Wow! Diese grandiose neue Erkenntnis nach nur etwa 300.000 Jahren der menschlichen Existenz.

Attitude führt nicht zu Behaviour

Trotz dieser unglaublichen Entdeckung der Abhängigkeit des Menschen von seiner Umwelt sind ein halbes Jahrhundert später Probleme wie Meere voller Plastik, durch Feinstaub belastete Luft, Nitrat im Grundwasser, Glyphosat auf den Feldern, Arbeitsrechtsverletzung in Entwicklungs- und Schwellenländern und vor allem der Klimawandel akuter denn je. Nach Verhaltens-Modellen der 1970er Jahre (3), welche davon ausgingen, dass mit dem Wissen über die Umweltproblematik auch eine nachhaltigere Einstellung und dazu passendes Verhalten bei Personen erfolgt, müsste der Großteil der Menschen längst ein umweltbewussteres Verhalten an den Tag legen.

Studien (4) widerlegen diese Modelle allerdings, indem sie aufzeigen, dass Du und Ich zwar angeben, dass wir nachhaltigkeitsorientiert handeln wollen, dies allerdings nicht wirklich in die Tat umsetzten. Wir handeln also nicht nur nach unserem Wissen und unserer Einstellung. Dadurch entsteht eine sogenannte Attitude-Behaviour Gap (Einstellungs-Verhaltens Lücke). Diese Gap kann als eine der ganz großen Hürden auf dem Weg hin zu einem Leben im Einklang mit unserem Planeten angesehen werden.

Wie schaut es beispielsweise in der Food-Branche aus? Das der Trend hin zu nachhaltigen Lebensmittelprodukten tendiert, lässt sich an den gestiegenen Verkaufszahlen in einigen mit Nachhaltigkeitsaspekten verbundenen Sparten erkennen. So ist beispielsweise der Umsatz von (sogenannten) FairTrade Produkten von 533 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2018 angewachsen (5). Im gleichen Zeitraum ist der Umsatz durch den Verkauf von (sogenannten) Bio- Lebensmittelprodukten von 7,4 Milliarden Euro auf 10,9 Milliarden Euro gestiegen (6). Während der Gesamtumsatz in der Lebensmittelindustrie zwischen den Jahren 2012 und 2018 um 5,6 Prozent gewachsen ist (7), ist der Umsatz von FairTrade Produkten um 144 Prozent gestiegen und jener von Bio-Produkten um 47 Prozent. Der Anteil von FairTrade Produkten kam somit allerdings in dem Zeitraum niemals an die ein Prozent Hürde des Gesamtumsatzes der Lebensmittelindustrie heran und der Anteil der Bio-Produkte blieb unter sieben Prozent.

Der Markt für Nachhaltigkeit bleibt damit weit hinter seinem Potenzial hinterher. Eine Umfrage der Europäischen Kommission (8) in allen 28 Mitgliedsstaaten kam zu dem Ergebnis, dass für 56 Prozent der EuropäerInnen Umweltschutz sehr wichtig ist. Laut der Verbrauchs- und Medienanalayse 2020 (9) ist es immerhin für 38 Prozent aller Deutschen sehr wichtig, dass das Unternehmen, von welchem sie ein Produkt kaufen, sozial und ökologisch verantwortlich handelt. Dies wird insbesondere bei den jüngeren Generationen immer wichtiger. Nach FirstInsight (10) präferieren über die Hälfte der Gen. X und über 60 Prozent der Gen. Y & Z nachhaltige Unternehmen. Es existiert also tatsächlich auch in der Food-Branche eine Einstellungs-Verhaltens-Lücke.

Das unterschätzte Problem beim nachhaltigen Konsum

Was könnten Fair Foodies nun aber versuchen, um ihr wahres Marktpotenzial erschließen zu können? Als erste und scheinbar offensichtlichste Maßnahme sollte sichergestellt werden, dass nachhaltige Lebensmittelprodukte in den klassischen Kaufentscheidungskategorien im Vergleich zu klassischen Lebensmittererzeugern konkurrenzfähig sind (11). Zu diesen klassischen Kaufentscheidungskategorien können vor allem Preis, Qualität, Verfügbarkeit und Markenbekanntheit gezählt werden (12). Sollten Fair Foodies in diesen Bereichen bereits zurückbleiben, kann vermutet werden, dass weiterführende Versuche die Attitude-Behaviour Gap bei potenziellen Konsumierenden zu verringern, zu einem großen Teil verpuffen werden.

Vielen Foodies gelingt es in diesen Bereichen jedoch wettbewerbsfähig zu sein. Preislich halten Fair Foodies mit anderen AnbieterInnen, welche vergleichbare Produkte in vergleichbarer Qualität anbieten, gut mit. Die Zeit, in welcher Nachhaltigkeit mit minderwertiger Qualität assoziiert wurde, ist zweifelsfrei längst vorbei. Produkte von Fair Foodies gibt es inzwischen in jedem Supermarkt und auch im Internet sind sie gut platziert, niemand muss mehr zu dem ganz komisch riechenden Bio-alternativ-Tante-Emma-Laden am Stadtrand, um ein Stück Tofu zu kaufen. Und das beste: Immer mehr Fair Foodies schaffen es aus dem Schatten der Öko-Nische heraus ins Rampenlicht der großen Foodwelt. Foodies wie Veganz, LemonAide, FritzKola, Taifun-Tofu, Lycka, Oatly, Beyond Meat, Voelkl, Rapunzel Naturkost und Solino sind nur die Spitze eines riesigen Eisberges.

Wenn es aber gelingt in diesen Bereichen so gut abzuschneiden, warum ist die Gap dann immer noch so groß? Warum haben wir dann immer noch so viele von der Food-Branche verursachte Probleme? Die Antwort: Daten sind das Problem! Genauer gesagt: Das fehlen von Informationen, die Unverständlichkeit von Informationen und das Misstrauen gegenüber Informationen (13). Je weniger Produktinformationen vorliegen, je komplexer diese sind und je mehr sie sich widersprechen, desto eher kaufen weder Du noch Ich das Produkt. Für Foodies ist es wichtig, dass sie herausfinden, welche Informationen potenzielle KäuferInnen verlangen und dass sie diese möglichst klar zur Verfügung stellen. Außerdem ist es wichtig, dass sie Vertrauen gegenüber diesen Informationen schaffen.

Es kommt immer wieder vor, dass wir Konsumierende bei der Einschätzung der Informationen über Herkunft und Produktionsbedingungen Probleme haben (14). 90% der deutschen Konsumierenden Vertrauen keinen Foodies (15) und 80% haben kein Vertrauen in die Informationen welche auf Verpackungslabels angegeben werden (16). Das Problem: Wenn Du im Supermarkt bist, um eine Banane zu kaufen, siehst Du beispielsweise die Größe, Form und Farbe der Banane, aber die Nachhaltigkeit wirst du nicht so einfach erkennen können. Wenn aber die Produktdifferenzierungsstrategie eines Foodies eine höhere Nachhaltigkeit zu kosten eines leicht höheren Preises ist, dann bleibt am Ende nur der höhere Preis — mich persönlich catched das nicht, Dich? Natürlich gibt es viele Nachhaltigkeitsromantiker (wie mich und vielleicht ja auch Dich), die sich naiv denken, lieber ein nachhaltiges Produkt auf Verdacht kaufen als eines, bei welchem man sich sicher sein kann, dass es nicht nachhaltig ist. Aber wenn Fair Foodies nur auf diese Gruppe abzielen, können sie ihr wahres Marktpotenzial nie erreichen und die Umweltprobleme, welche wir schon heute haben, werden immer dramatischer werden.

Ich hatte vor etwa zwei Jahren mit dem Marketingleiter eines der oben genannten Foodies gesprochen, als dieser meine damalige Universität besuchte. Er hat einen langen und sehr interessanten Vortrag darüber gehalten, wie nachhaltig sein Unternehmen doch sei. Auf meine etwas freche Frage, warum ich der Nachhaltigkeit des von ihm vorgestellten Produktes glauben sollte, hat er geantwortet, dass sein Unternehmen ein bis zweimal im Jahr die Plantagen besuchen würde und sie dabei auch Fotos machen würden. Er selbst sei auch schon dabei gewesen. Durch meine Rückfrage, warum ich ihm vertrauen sollte wurde er leicht verwirrt. “Wie warum…natürlich kann man mir vertrauen…!” — WOW! Er hat dann am Ende immerhin noch gesagt, dass die Produkte ja auch zertifiziert seien.

Zertifikate waren tatsächlich ein gutes Instrument, um Misstrauen gegenüber der Nachhaltigkeit von Produkten entgegenzutreten. Sie sammeln schwer zu generierende und komplexe Daten und komprimieren sie auf ein Symbol, welches Du und Ich dann auf dem Produkt sehen und verstehen können. Inzwischen gibt es aber über 1000 Zertifikate alleine in Deutschland, man könnte sagen, wir sind “Lost in Label” (17). Viele Unternehmen zertifizieren ihre Produkte einfach selber — nicht so super vertrauenserweckend. Zertifikate sind außerdem immer ein Blick in die Vergangenheit. Es findet (im besten Fall) eine Kontrolle statt und danach ist das Produkt für eine Zeitperiode zertifiziert, ohne das es irgendjemanden kümmern würde was wirklich los ist. Des Weiteren stehen leider auch multistakeholder Zertifikate, welche eigentlich Strukturen haben, die vielversprechend sind, aufgrund von Mängeln in der Öffentlichkeit (18). Je mehr Produkte eine Zertifiziererin überprüfen muss und je komplexer deren Produktion, desto mehr kommen klassische Kontrollen an ihre Grenzen und desto mehr Vertrauen geht auch in das Instrument der Zertifizierung verloren.

Blockchain kann helfen

Eine Blockchain ist eigentlich nur ganz unspektakulär eine Datenbank, auf welcher Einsen und Nullen gespeichert werden. Wie beispielsweise etwa ein USB Stick. Wenn Dir allerdings jemand einen USB Stick mit Produktinformationen reichen würde, würde das wahrscheinlich nicht allzuviel Vertrauen in Dir auslösen. Woher sollst Du wissen wer die Daten auf den USB Stick geladen hat, ob die Daten stimmen und wenn sie je gestimmt haben, ob sie nicht von irgendjemandem verändert wurden. Die Blockchain hat allerdings ein paar Eigenschaften, welche ein USB Stick nicht hat, weshalb Du den Informationen auf ihr vertrauen kannst.

Sie ist eine Back-to-end Datenbank. Alle Daten, welche auf einer Blockchain gespeichert werden, bleiben für immer auf ihr gespeichert. Daten, welche neu hinzukommen, dürfen den vorangegangenen nicht widersprechen, um gespeichert werden zu können. Man kann auf der Blockchain also noch lügen, wenn dies nicht durch andere zusätzliche Technologien verhindert wird. Man kann sich aber dann nicht mehr widersprechen. Ziemlich schwer in unserer komplexen Welt da noch zu betrügen. Außerdem sind die Daten einer Blockchain nicht an einem Ort gespeichert, sondern an vielen verschiedenen. Wenn also jemand versucht die Daten zu manipulieren, die bei ihr oder ihm gespeichert sind, dann kann das allen anderen egal sein, denn ihre Daten bleiben integer.

Blockchain ist also die perfekte Technologie, um Daten vertrauensvoll zu speichern und mit anderen zu teilen. Das gilt für B2C und B2B Beziehungen. Es braucht nur noch ein Interface zur Blockchain, auf welchem die gesammelten Daten verständlich und übersichtlich dargestellt werden könnten. Es müsste ein Gerät mit einer Kamera sein, welches beispielsweise einen QR-Code auf einer Food-Verpackung einscannen könnte, um dann über einen Internetzugriff Daten von einer Blockchain auf einem Display darstellen zu können. Schade das Du nicht ein solches smartes Gerät mit Dir in der Hosen- oder Handtasche herumträgt… Hättest Du es, könntest du über dieses Gerät genau die Informationen abrufen, welche dich interessieren. Willst du Daten stark komprimiert und übersichtlich wie bei einem Siegel haben, oder möchtest du die gesamte Historie des Produktes von seiner Genesis auf einem Feld bis hin zu seinem Exodus auf Deinem Teller einsehen? Es wäre ab jetzt Deine Entscheidung! So oder so, den Informationen, welche du siehst, kannst Du Vertrauen. Innovativer Technologie sei Dank!

Informationsasymmetrien werden behoben, alle am Produkt beteiligten (wie etwa ErzeugerInnen, LieferantenInnen, ProduzentenInnen, NGOS, staatliche Behörden und KonsumentenInnen) wissen jetzt welche Attribute es hat. Externalisierte Kosten, wie etwa Pestizide, Luftverschmutzung oder Kinderarbeit werden daher offengelegt, oder im Fall von Fair Foodies wird eben offengelegt, dass es diese nicht gibt. Dadurch entsteht erstmals das so sehr benötigte Level Playing Field zwischen normalen Lebensmittel-herstellenden und Fair Foodies. Die Produktdifferenzierungsstrategie von Nachhaltigkeit kann endlich sein volles Potenzial im Wettbewerb gegen die Produktdifferenzierungsstrategie des niedrigen Preises entfalten. Fair Foodies können dadurch ihr Marktpotenzial ausschöpfen. Du und ich haben jetzt die Informationen, um mit jeder Kaufentscheidung eine bessere Welt gestalten zu können. Umweltprobleme, welche durch unseren Konsum entstehen, werden sich verbessern. Ganz ohne harte einschränkende staatliche Interventionen, nur durch eine glaubwürdige Transparenz.

Lass uns Blockchain als Polarstern der Nachhaltigkeitsbewegung am Horizont fixieren, sodass sie uns aus dem alles erdrückenden Grau und krankmachend beißenden Rauch unseres aktuellen wirtschaftlichen Miteinanders hinaus navigiert.

Sources 

  1. Davis, Devra L/ Bell, Mischelle L./ Fletscher, Tony (2002): A Look Back at the London Smog of 1952 and the Half Century Since.
  2. Sohn, Louis B. (1973): Stockholm Declaration on the Human Environment.
  3. Kollmuss, Anja/ Agyeman, Julian (2002): Mind the Gap — Why Do People Act Environmentally and What Are the Barriers to Pro-environmental Behavior?
  4. Kollmuss, Anja/ Agyeman, Julian (2002): Mind the Gap — Why Do People Act Environmentally and What Are the Barriers to Pro-environmental Behavior?
  5. TransFairs, Daten von: Statista (2018): Umsatz mit Fairtrade-Produkten in Deutschland in den Jahren 1993 bis 2017.
  6. BÖLW, Daten von: Statista 2019: Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2018.
  7. Statista (2018): Umsatz der Lebensmittelindustrie in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2017.
  8. European Comission (2017): Attitude of European Citizans Towards the Environment.
  9. Verbrauchs- und Medienanalyse (2020): VuMA Touchpoints 2020.
  10. FirstInsight (2020): The State of Consumer Spending.
  11. Papaoikonomou, Eleni/ Ryan, Gerard/ Ginieis, Matias (2011): Towards a Holistic Approach of the Attitude Behaviour Gap in Ethical Consumer Behaviours — Empirical Evidence from Spain.
  12. Papaoikonomou, Eleni/ Ryan, Gerard/ Ginieis, Matias (2011): Towards a Holistic Approach of the Attitude Behaviour Gap in Ethical Consumer Behaviours — Empirical Evidence from Spain.
  13. Vermeir, Iris/ Verbeke, Wim (2006): Sustainable Food Consumption — Exploring the Consumer “Attitude-Behavioral Intention” Gap.
  14. Papaoikonomou, Eleni/ Ryan, Gerard/ Ginieis, Matias (2011): Towards a Holistic Approach of the Attitude Behaviour Gap in Ethical Consumer Behaviours — Empirical Evidence from Spain.
  15. The European Consumer Organisation (2018): Food Labels — Tricks of the Trade.
  16. LabelInsights (2016): Food Revolution Study 2016.
  17. Utopia (2019): Lost in Label?
  18. Deutsche Stiftung Meeresschutz (2018): Greenwashing Skandal: MSC-Fischlabel; Welt-Sichten 2018: FSC — Ein Siegel, das den Wald kaum schützt; NDR (2016): Schummel mit “fair” gehandelten Lebensmitteln.

fairfood Freiburg X OURZ – Die ersten transparenten Macadamias in Deutschland

von Jonas | 08. Apr, 2022

TL;DR

fairfood Freiburg & OURZ kooperieren um Farm2Fork Rückverfolgbarkeit von Nüssen aus Ruanda chargengenau und fälschungssicher via Blockchain zu ermöglichen. Die beiden Impact-Startups wollen damit ein Zeichen gegen ausbeuterische Lieferketten und Greenwashing setzen.

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Nüsse sind ein richtiges Superfood. Aber wissen wir überhaupt wo die Nuss herkommt, die wir uns aus dem nachhaltigen Pfandglas grad in den Mund gesteckt haben? Wissen wir, wer die Nüsse geerntet hat oder an der Röstung beteiligt war?

Leider muss man sagen: Meistens wissen wir es nicht. Und das Traurige ist, dass viele Unternehmen es über ihre eigenen “nachhaltigen” Zutaten selber nicht wissen. 

Entlang unserer Lieferketten werden Menschen, Tiere und Umwelt ausgenutzt. Mehr als ⅔ der deutschen Konsument:innen wollen nachhaltig einkaufen, bekommen aber nicht einmal die Informationen von wo und wem ihre Produkte kommen. 

Wer profitiert davon? Jene Unternehmen, welche zu Gunsten ihres Profits Mindeststandards unterschreiten, während sie via Greenwashing-Marketing ihre Kund:innen belügen. 

Ein Unternehmen, das aber genau weiß wer an der Lieferkette ihres Produktes beteiligt ist, ist fairfood Freiburg. Nachhaltigkeit vom Baum bis ins Pfandglas hat sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Die Nüsse und Trockenfrüchte werden hierfür direkt von den Produzent:innen bezogen, die die Produkte im Anbauland knacken, schälen und trocknen. 

Und genau diese Lieferkette und die beteiligten Produzent:innen werden nun mittels Blockchain-Technologie transparent und chargengenau aufgezeigt. 

Denn hier kommt das Startup OURZ, mit Sitz in Hamburg und Flensburg, ins Spiel. OURZ hat eine innovative Traceability-Plattform entwickelt, die es nachhaltigen Unternehmen ermöglicht, den Weg eines Produktes erlebbar zu machen und zugleich Aufklärung leistet, wie viel Arbeit hinter einem fair gehandelten Produkt steckt, bis es bei den Konsument:innen landet.

fairfood Freiburg hat sich deswegen für OURZ entschieden, weil die genutzte Blockchain-Technologie einen ganz wichtigen Vorteil bietet: eine transparente und dezentrale Speicherung von Daten, die fälschungssicher abgelegt werden. Daraus entsteht eine lückenlose und transparente Abbildung der kompletten Lieferkette.

Die erste Charge des Produktes, faire Macadamia-Nüsse aus Ruanda, hat soeben das Lager von fairfood Freiburg verlassen. Jedes Pfandglas trägt einen QR-Code, der nach dem Scan die Schritte der Macadamia erlebbar macht. Diese erste Charge ist leider Unterstützer:innen des – natürlich erfolgreich abgeschlossenen –  Crowdfundings vorenthalten, doch das Unternehmen aus dem Süden hat noch viel vor: “Wir sehen großes Potenzial in der Technologie. Endverbraucher:innen fordern zunehmend mehr Transparenz von Unternehmen und möchten wissen, welchen Weg ihre Produkte zurückgelegt haben.”

In Zukunft wird das norddeutsche Startup OURZ noch weitere Produkte von fairfood Freiburg transparent machen und ihre Blockchain-Plattform dafür nutzen, chargengenau jeden Schritt des Produktes, vom Ursprung bis ins Pfandglas (oder den Unverpackt-Laden) nachvollziehbar aufzuzeigen. Fälschungssicher, vertrauensvoll und dezentral gespeichert – das ist die Zukunft der Foodindustrie, die wir uns wünschen.

QR Code

QR-Code scannen und Produktreise der Macadamianüsse erleben


Visit fairfood.Freiburg’s website: https://www.fairfood.bio/

Follow fairfood.Freiburg on Instagram: https://www.instagram.com/fairfood_freiburg/

Warum die Corona Pandemie ein Startschuss für die Blockchain Technologie in der Food Industrie sein wird

von Jonas | 31. Mrz, 2022

Corona hat die Welt fest in ihrem erbarmungslosen Griff. Stand jetzt grade [28.03.2020, 18 Uhr] gibt es laut der John Hopkins Universität (1) weltweit fast 650.000 bestätigte Fälle. 30.000 Menschen haben ihr Leben verloren, etwa ⅔ davon in Europa. Die Welt, Europa und Deutschland waren auf solch eine Katastrophe nicht vorbereitet. Aber wir wurden gewarnt. Einer der hellsten Köpfen unserer Spezies, möge man von ihm als Persönlichkeit halten was man will, hat uns bereits vor vier Jahren eindringlich auf die Gefahr hingewiesen. Wenn Du ihn noch nicht gesehen hast, möchte ich dir hiermit eindringlichst den Ted Talk von Bill Gates: “The Next Outbreak? We Are Not Ready” (2) ans Herz legen.

Das Resumé: Wir wussten was in den letzten Jahren getan hätte werden müssen und was auf dem Spiel stand und steht.

Es liegt aber nicht in unserer Natur auf vage und entfernt wirkende Gefahren zu reagieren. Unsere Vorfahren sind jene Homo Sarpiens, welche beim Anblick eines Säbelzahntigers panisch die Flucht ergriffen haben und dann später miteinander koitiert haben. Diejenigen, welche in Gedanken vertieft über die Nachhaltigkeit ihres Holzkonsums am Lagerfeuer sitzen geblieben sind, wurden Katzenfutter und hatten dann offensichtlicherweise keine Möglichkeiten mehr zur Weiterverbreitung ihrer Gene. Aber längst lassen wir uns nicht mehr alles von unseren evolutionären Prädestinationen bestimmen. Ich, als mehr oder weniger typisches Homo Sarpiens Männchen, fühle beispielsweise keine allzu große Spermienkonkurrenz mehr zu meinen Konkurrenten. Das äußert sich unter anderem darin, dass ich nicht versuche alle Homo Sarpiens Weibchen die ich sehe zu begatten und dass ich mir auch keinen exklusiven sexuellen Zugang zu meinen nicht existierenden weiblichen Rudelmitgliedern erkämpfen zu versuche (wäre aufgrund meiner Statur wahrscheinlich eh nicht so erfolgsversprechend). Wenn wir es als Spezies, zu mindesten die meisten von uns, schon soweit gebracht haben, dann werden wir es doch wohl auch schaffen, aktiver über die großen unsichtbaren Gefahren nachzudenken, welche unsere Existenz bedrohen.

Lebensmittel & die Verbreitung von Krankheitserregern

Warum schreibe ich also gerade diesen Text? Ich engagiere mich für das Blockchain Tech Start-Up OURZ (3) als Nachhaltigkeitsstratege und bin seit 2017 ein absoluter Blockchainfanatiker. OURZ hat es sich als Aufgabe gemacht die Historie von Lebensmitteln transparent und dadurch rückverfolgbar vom Feld bis auf den Teller unverfälschlich darzustellen. Mein Artikel soll aber keine Hommage an OURZ werden. Wir von OURZ wollen die Corona-Katastrophe nicht zum profilieren nutzen. Trotzdem möchten wir natürlich gerne unsere einzigartigen Insights aus mehrjähriger Erfahrung mit der Blockchain Technologie in der Lebensmittelbranche zum Gemeinwohl freigeben. Wir erhoffen uns davon nicht mehr und nicht weniger als dazu beitragen zu können, Menschenleben zu schützen. Mein Artikel soll daher erörtern, inwiefern die Technologie, mit welcher OURZ es schafft Lebensmittel rückverfolgbar zu machen, ihren Beitrag dazu leisten kann, Situationen wie die jetzige zu verhindern oder zumindest zu entschärfen.

Was haben Lebensmittel mit Pandemien, Epidemien und Endemien zu tun? Leider so einiges, wie ich die letzten Tage durch intensive Recherche feststellen musste! Hauptsächlich hat mich zum verfassen dieses Artikels eine Veröffentlichung(4) vom Robert Koch-Institut (RKI) aus dem Jahr 2009 veranlasst. Aus ihr wird ersichtlich, dass Lebensmittel und unser Konsum von diesen auf zwei Weisen zu potenziellen Krankheitsausbreitungen beitragen. Dabei befeuert die zweite auch noch die erste. Aber ganz langsam, lass uns von vorne Anfangen.

Das RKI hat in seiner Veröffentlichung festgehalten, dass die Gefahr durch Erreger in Deutschland insbesondere von Nagetieren, Zecken und eben Lebensmitteln stammt. Die erste Weise, wie Lebensmittel zu Krankheitsausbreitungen beitragen, ist also die direkte. Lebensmittelbedingte Infektionen, wie etwa Salmonellen, gehören laut dem RKI zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Aktuelle und vor allem verlässliche Zahlen zu Erkrankten und Verstorbenen an verursachten Infektionskrankheiten durch Lebensmittel sind schwer zu finden. Die ersten und im globalen Umfang gesehen bisher einzigen wirklich verlässlichen Informationen stammen von der World Health Organization. Diese geht auf der Basis von einer Studie aus dem jahr 2010(5) bis heute(6) davon aus, dass etwa 600.000.000 Menschen pro jahr durch verunreinigtes Essen erkranken und dass etwa 420.000 von ihnen jährlich daran sterben. Vor allem die jungen und alten unter uns. Etwa 23.000.000 der Krankheitsfälle, mit um die 5.000 Toten, gäbe es jährlich in Europa(5).

Und es wird noch schlimmer. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung geht davon aus, dass Infektionskrankheiten durch Lebensmittel eine wachsende Gefahr darstellen(7). Auch das RKI(4) vermutet, dass die Zahlen von Infektionskrankheiten in der Welt, genauso wie in Deutschland, durch den Klimawandel befeuert, steigen werden. Wärmere Temperaturen und extreme Wetterereignisse helfen Erregern in Lebensmitteln bei der Entstehung, Vermehrung und Ausbreitung. Das bringt mich zu der zweiten Weise, wie Lebensmittel, bzw. unser Konsum dieser, zur Ausbreitung von Krankheiten beitragen. Nach dem Bereich Mobilität ist unsere Ernährung nämlich laut dem Umweltbundesamt(8) der zweitgrößte Konsumbereich im Bezug auf unseren Treibhausgasausstoss. Weltweit verursacht der Bereich der Ernährung sogar etwa ⅓ unserer Emissionen.

Wir essen aber nun einmal gerne Rind, Schwein und was sonst noch so zwei oder mehr oder auch mal weniger Beine hat. Dadurch, dass tierische Produkte aber eine extrem schlechte Energieeffizienz haben, macht unser Verzehr von ihnen etwa ⅔ unseres durch Lebensmittel verursachten Treibhausgas-Fußabdruckes aus(9). Was aber dann benutzen für die morgendliche Stulle, wenn nicht Salami? N****la Haselnusscreme natürlich! Oder ne, warte mal. Das ist ja voll von Palmöl. Um Platz für Plantagen dafür zu gewinnen werden Regenwälder, die Lunge unseres Planeten, rund um die Welt abgeholzt(10). Genau das gleiche gilt übrigens auch für Soja, das Zeug was wir an unserer Salamis und VeganerInnen verfüttern. Dann nur noch Regionales konsumieren? Wird schwer! Immerhin isst unsere Salami aus dem Dorf nebenan einfach weiter Soja aus Brasilien. Plus, wenn es im Supermarkt nur noch Produkte ohne Palmöl gäbe, würden wir über die paar leeren Regale durch die Hamsterkäufe, die es derzeit gibt, nur noch müde lächeln(11). Regional muss außerdem auch nicht gleich nachhaltig sein. Vor allem die Erzeugung, aber auch Lagerung, Verarbeitung und Verpackung können zum Klimawandel beitragen. Bei der Erzeugung stehen z.B. die Flächen und der Dünger, welche verwendet werden, in der Kritik(12).

Blockchain wird helfen

Kommen wir zur Blockchain und wie sie helfen wird. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht zu viel Deiner Lesezeit dafür verwenden, dir die Blockchain Technologie in all ihren Raffinessen zu erläutern. Wenn du an dieser Stelle merken würdest, dass du gerade einmal ein Zehntel meines Textes gelesen hast, würdest du wahrscheinlich kein weiteres Zehntel lesen. Lieber verwende ich deine Aufmerksamkeit dafür, dir aufzuzeigen, wie die Blockchain Technologie uns akut helfen kann. Wenn Du mehr über die Blockchain Technologie an sich erfahren möchtest, dann fang mal mit dem Ted Talk von Don Tapscott zu dieser an (13).

Vielleicht aber soviel: Eine Blockchain ist eigentlich nur ganz unspektakulär eine Datenbank, auf welcher Einsen und Nullen gespeichert werden. Wie beispielsweise etwa ein USB Stick. Doch während du auf deinem USB Stick Daten so wild löschen und verändern kannst, wie du nur willst, ohne das es irgendjemand mitbekommen oder nachvollziehen könnte, geht das auf einer Blockchain nicht. Das liegt im Wesentlichen an zwei ihrer Eigenschaften.

Erstens: Sie ist eine Back-to-end Datenbank. Alle Daten, welche auf einer Blockchain gespeichert werden, bleiben für immer auf ihr gespeichert. Daten, welche neu hinzukommen, dürfen den vorangegangenen nicht widersprechen, um gespeichert werden zu können. Man kann auf der Blockchain also noch lügen, wenn dies nicht durch andere zusätzliche Technologien verhindert wird, man kann sich aber dann nicht mehr widersprechen. Ziemlich schwer in unserer komplexen Welt da noch zu Betrügen.

Zweitens: Sie ist eine Distributed Ledger Technologie. Daten sind nicht mehr zentral an einer Stelle gespeichert, sondern alle haben jetzt Kopien der Daten. Neue Daten müssen nicht nur zu den vorherigen passen, sondern auch eine Mehrheit derjenigen, welche die Blockchain benutzen, muss den neu hinzugefügten Daten zustimmen. Nur dann werden die neuen Daten auf der Blockchain verewigt. Und selbst wenn man versuchen würde Dich zu betrügen, Du wirst es auf jeden Fall mitbekommen, da Du ja eine eigene Kopie aller Daten hast. Es entsteht nach dem eben bereits erwähnten Blockchain-Visionär Tapscott: “trust through clever code”.

Aber zurück zum eigentlichen Thema! Warum müssen wir jetzt im Angesicht der Corona Pandemie die Blockchain Technologie in der Lebensmittelindustrie vorantreiben? Ich habe ja schon die zwei Wege erläutert, wie Lebensmittel mit der Verbreitung von Krankheitserregern zusammenhängen. Bei beiden Problemen gibt es eine Gemeinsamkeit: Transparenz ist das große Problem. Aber Transparenz, insbesondere eine vertrauensvolle, die kann man mit Blockchain hinbekommen. Lass mich Dir für beide Weisen, wie Lebensmittel die Entstehung und Verbreitung von Krankheitserregern unterstützen, die direkte und indirekte, erklären wie Blockchain helfen kann.

Fangen wir mit der direkten Weise an. Wie bereits beschrieben, schon jetzt sterben jährlich etwa 420.000 Menschen an Krankheitserregern in Lebensmitteln. Das schlimme: Selbst wenn bereits bekannt ist, dass Lebensmittel kontaminiert sind, kann es eine Ewigkeit dauern bis sie aus dem Verkehr gezogen werden. Oft weiß niemand wohin welche Ware geliefert wurde, in welchen Produkten sie verarbeitet wurde und vor allem nicht wer das Endprodukt gekauft hat. Erinnerst Du dich noch an den Wilke Vorfall? Es hat mich damals nicht sonderlich geschockt wie die Bedingungen bei Wilke waren. Was mich geschockt hat, war, dass selbst nachdem der Skandal publik geworden ist, die Produkte von Wilke weiter verwendet wurden und KonsumentenInnen nicht gewarnt wurden.

Ein großer Lebensmittelproduzent hat uns vor kurzem erzählt, dass er zufällig im Radio auf der Autobahn davon gehört hat, dass Teile seiner Produkte kontaminiert und für seine KundenInnen gefährlich sind. Er war damals förmlich ausgerastet vor Zorn über Wilke und das deutsche Kontrollsystem. Wären die Waren von Wilke jedoch, als sogenannte digitale Zwillinge, auf einer Blockchain gesichert gewesen, hätten in der Sekunde, in der eine Kontaminierung festgestellt wurde, alle Produzierenden chargengenau gewusst, welche ihrer Produkte betroffen sind. Auch KonsumentenInnen, welche betroffene Produkte gekauft hatten, wären in der gleichen Sekunde informiert gewesen. Ökonomischer Schaden hätte kleiner gehalten werden können, Leid hätte vermieden werden können und vor allem hätten Leben gerettet werden können. Je komplexer, globaler und schnelllebiger unsere Wirtschaft wird, desto weniger reichen klassische Kontrollen für Lebensmittelsicherheit, für unsere Sicherheit, aus. Durch den Klimawandel wird es in unserer Zukunft mehr und vielleicht gefährlichere solcher Lebensmittelverunreinigungen geben. Nicht nur in Fleisch sondern auch in Tee, Gewürzen, Schokoladen und allerlei anderer Lebensmittel. Die Anwendung von Blockchain zur Verhinderung, bzw. zumindest zielgerichteten und schnellen Eindämmung solcher Katastrophen, ist mit dem Stand der Technik wie wir sie heute haben absolut umzusetzen.

Die Zunahme von den Krankheitserregern durch den Klimawandel, die indirekte Weise wie Lebensmittel zur Verbreitung von Krankheiten beitragen, leitet mich zum zweiten und etwas komplizierten Aspekt, wie die Blockchain uns vor Krankheitserregern schützen kann. Unsere Art zu leben, im speziellen unsere Art zu konsumieren, verursacht den Klimawandel. Das haben inzwischen viele von uns verstanden. Das geniale an unserer Marktwirtschaft: Wo Nachfrage, da Angebot. Das Problem an unserer Marktwirtschaft: Sie basiert auf Vertrauen — Vertrauen, wovon es derzeit nur weniges gibt. Was meine ich damit? Immer mehr, besonders jüngere, Menschen sind bereit für nachhaltigere Produkte mehr zu bezahlen (14). Das Potenzial des Marktes für nachhaltige Lebensmittel nimmt Größen an, die sich noch vor wenigen Jahren niemand hätte vorstellen können. Das Problem ist aber, dass Nachhaltigkeit ein unsichtbares Produktattribut ist. Wenn wir im Supermarkt sind, sehen wir Produkteigenschaften wie Größe, Farbe und vor allem den Preis. Aber eben nicht die Nachhaltigkeit. Der Nachhaltigkeit müssen wir Vertrauen. Aber 90% der Deutschen Vertrauen keinen Lebensmittelherstellenden(15) und 80% vertrauen auch den Informationen auf Lebensmittelverpackungen nicht(16). Wenn das Vertrauen in die Nachhaltigkeit fehlt, bleibt also nur der meist etwas höhere Preis. Keine gute Motivation für einen nachhaltigeren Konsum, wenn Du mich fragst. Nachhaltigkeitsfanatiker kaufen natürlich trotzdem, aber wirklich aus der Nische heraus kommt der nachhaltige Konsum so nicht.

Es braucht also mehr Vertrauen für einen nachhaltigeren Konsum in der Lebensmittelbranche, um den Klimawandel und mit diesem immer mehr Endemien, Epidemien und Pandemien einzuschränken. Zertifikate waren ein gutes Instrument dafür. Sie sammeln schwer zu generierende und komplexe Daten und komprimieren sie auf ein Symbol, welches Du und Ich dann auf dem Produkt sehen können. Inzwischen gibt es aber über 1000 von ihnen alleine in Deutschland, man könnte sagen, wir sind “Lost in Label”(17). Viele Unternehmen zertifizieren ihre Produkte einfach selber. Und auch die Zertifikate, welche eigentlich Strukturen haben die vielversprechend sind, stehen aufgrund von Mängeln in der Öffentlichkeit(18). Je mehr Produkte eine Zertifiziererin überprüfen muss und je komplexer deren Produktion, desto mehr kommen klassische Kontrollen an ihre Grenzen und desto mehr Vertrauen geht verloren.

Kurzum: Wir brauchen Blockchain! Hier gibt es keine Komplexitätsbeschränkung. Ganz im Gegenteil. Je mehr und desto komplexer die Daten sind, desto sicherer und informativer werden sie. Die Konsumentin, welche weiterhin einfach nur ein kleines Symbölchen möchte, um sich bei den Kaufentscheidungen leiten zu lassen, kann sich dieses aufgrund der Daten auf einer Blockchain generieren lassen. Aber für jene Konsumenteninnen, welche mehr Informationen wollen, gibt es nun förmlich keine Grenzen mehr.

Mein Fazit

Zwischendurch hat mich wieder mein Blockchainenthusiasmus gepackt. Wenn du es trotzdem bis hierhin geschafft hast, möchte ich dir abschließend noch einmal eine Zusammenfassung und ein kleines Appelchen darbieten.

Lebensmittel, seien es nun Fledermäuse, Rinder oder Sprossen, sind oftmals der Ursprung von tödlichen Krankheitserregern. Wenn Krankheiten ausbrechen, müssen wir die Produkte von welchen sie stammen schnell und effektiv aus dem Verkehr ziehen. Blockchain kann das! Aber wir müssen Blockchain nicht nur reaktiv nutzen. Auch proaktiv kann sie zur Vermeidung von Krankheitswellen eine bedeutende Rolle einnehmen. Sie kann als Blasebalgen des Vertrauens die Nachhaltigkeitsbewegung in der Lebensmittelbranche und darüber hinaus beflügeln. Wir können sie nutzen, damit sie uns vertrauenswürdige Informationen liefert, die uns mit leichten Elbogenstößen in die Rippen zu einem nachhaltigeren Konsum treibt. Nachhaltigere und Rückverfolgbare Lebensmittel retten Leben!

Menschen sterben bereits heute durch kontaminierte Lebensmittel. Auch in Europa, auch in Deutschland. Die Zahlen werden allen Prognosen nach durch den Klimawandel zunehmen. Wer weiß ob wir uns gerade in einer Pandemie befinden würden, wenn wir den Klimawandel früher und energischer angegangen wären. Alle sagen immer wir brauchen neue und innovative Technologien, um den Klimawandel und Umweltzerstörungen anzugehen. Die Blockchain Technologie ist so eine neue und innovative Technologie. Und sie ist bereit für den Markt. Aus den Kinderschuhen herausgewachsen befindet sie sich jetzt in der Endphase ihrer Pubertät. An der einen oder anderen Stelle muss man ihr vielleicht nochmal etwas nachsehen, aber insgesamt ist sie bereit dazu ihren Beitrag zu einer besseren Gesellschaft beizutragen. Jetzt muss man ihr nur noch die Gelegenheit dazu bieten.

Quellen

  1. Johns Hopkins University (2020): Coronavirus COVID-19 Global Cases by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE).
  2. Bill Gates (2015): The next outbreak? We are not read, Ted Talks.
  3. OURZ Website.
  4. Robert Koch Institut (2009): Die Auswirkungen des Klimawandels: Welche neuen Infektionskrankheiten und gesundheitlichen Probleme sind zu erwarten?, in: Bundesgesundheitsblatt 2009, Berlin: Robert Koch-Institut.
  5. WHO (2015): WHO Estimates of the Global Burden of Foodborne Diseases.
  6. World Health Organization (2019): Food Safety.
  7. Bundesamt für Bildung und Forschung (2019): Schutz vor biologischen Gefahrenlagen und Pandemien.
  8. Umweltbundesamt (2020): Treibhausgasausstoß pro Kopf in Deutschland nach Konsumbereich 2017.
  9. WWF (o.J.): Vom Klimawandel und dem Tellerrand.
  10. OroVerde (2018): Palmöl — der kontroverse Rohstoff aus dem Regenwald.
  11. Bundeszentrum für Ernährung (o.J.): Palmöl.
  12. GreenPeace (2020): Landwirtschaft und Klima.
  13. Don Tapscott (2016): How the Blockchain Technology is Changing Money and Business.
  14. First Insight (2020): The State of Consumer Spending: Gen Z Shoppers Demand Sustainable Retail.
  15. Georg August Universität Göttingen (2017): Zutatenhinweise auf Lebensmittelverpackungen.
  16. The European Consumer Organization (2018): Tricks of the Trade.
  17. Utopia (2019): Lost in Label?
  18. Deutsche Stiftung Meeresschutz (2018): Greenwashing Skandal: MSC-Fischlabel; Welt-Sichten (2018): FSC — Ein Siegel, das den Wald kaum schützt; NDR (2016): Schummel mit “fair” gehandelten Lebensmitteln.

Nachhaltigkeit & nachhaltiger Konsum — Was ist das eigentlich?

von Julian | 14. Jul, 2020

Drei globale Hektar. Das ist in etwa der Platz den ich, Jonas Wendt, auf der Erde, durch meinen Konsum, in Anspruch nehme (1). Würden alle so viel verwenden, bräuchten wir 1,9 Erden. Trotzdessen, dass ich das G8 Turbo-Abitur durchmachen musste, ist mir sofort aufgefallen, dit is zu viel. Bis grade vor 15 Minuten hätte ich allen gesagt, ich lebe & konsumiere nachhaltig. Ich ernähre mich vegan, hauptsächlich saisonal und relativ viel “Bio”. Ich habe ein Fahrrad und benutze ansonsten hauptsächlich U & S-Bahnen. Ich bewohne ein spartanisch eingerichtetes 11qm Zimmer in einer wunderbaren 12er WG und heize nur wenn wirklich notwendig. Klamotten (bis auf Unterhose, Socken & Schuhe) kaufe ich nur gebraucht. Und tatsächlich, mein ökologischer Fussabdruck ist etwa 40% geringer, als der durchschnittliche deutsche Fussabdruck (1). Aber konsumiere ich deshalb, obwohl mein ökologischer Fussabdruck fast doppelt so groß ist, wie er sein sollte, nachhaltig? Was bedeutet dieses von allen verwendete Buzz-Word Nachhaltigkeit überhaupt?

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird im deutschsprachigen Raum auf Hans Carl von Carlowitz zurückgeführt (2). Vor 300 Jahren war die Ressource Holz eine der Wirtschafts und dadurch Lebensadern Deutschlands, was allerdings zu einer starken Entwaldung geführt hat (3). Carlowitz hat hackebeilscharf erkannt, dass wenn Bäume schneller gefällt werden als sie nachwachsen, es immer weniger von ihnen gibt. Das langfristige Problem des Ressourcenschwunds des Holzes anerkennend, trat Carlowitz deshalb für einen “nachhaltigen” Umgang mit dieser Ressource ein (4). Es solle nur so viel Holz gefällt werden, wie nachwachsen würde. Nachhaltigkeit bedeutet also, dass Handlungsbedingungen in der Zukunft nicht durch Handlungen in der Gegenwart verschlechtert werden. Dabei hatte er insbesondere die sozioökonomischen Bedingungen der folgenden Generationen im Blick:

Wo Schaden aus unterbliebener Arbeit kommt, da wächst der Menschen Armut und Dürftigkeit (Hans Carl von Carlowitz 1713: 105).

Das Thema der Nachhaltigkeit wird natürlich, wenn auch gerade leicht ausgebremst durch COVID-19, mit dem zunehmenden Bewusstsein für den Klimawandel immer präsenter. Die Menschheit hat bisher aber noch nicht vollends verstanden, dass je mehr wir unsere Umwelt zerstören, wir desto weniger von ihr leben können. Aber so langsam dämmert es uns immerhin. Dadurch wächst sowohl der Druck auf uns Menschen nachhaltig zu konsumieren, als auch der Druck auf Unternehmen nachhaltigen Konsum zu ermöglichen (5).

Was ist nachhaltiger Konsum?

Zwei der meist verwendeten Definitionen für das Konstrukt des nachhaltigen Konsums sind die sogenannten Oslo und Brundtland Definitionen. Die Oslo Definition ist aus einer Experten:Innen Versammlung entstanden, welche die norwegische Regierung in Oslo im Jahr 1994 einberufen hat und lautet:

Sustainable Consumption and Production can be defined as […] the production and use of goods and services that respond to basic needs and bring a better quality of life, while minimising the use of natural resources, toxic materials and emissions of waste and pollutants over the life cycle, so as not to jeopardise the needs of future generations“ (Oslo Symposium 1994).

Diese Definition wurde unter anderem auch von der Kommission für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen übernommen, erfährt in der (wissenschaftlichen) Debatte allerdings auch Kritik (6). Begrifflichkeiten wie Quality of Life oder Basic Needs seien zu ungenau, die genannten Maßnahmen, die ergriffen werden sollen seien zu willkürlich und die Definition unterscheide unzulänglich zwischen Produktion und Konsum.

Die Brundtland Definition der Vereinten Nationen, benannt nach einem ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten, hat eine breitere Akzeptanz gefunden. Nach ihr ist eine dauerhafte Entwicklung, die heute als nachhaltige Entwicklung verstanden wird, eine:

Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Brundtland Commission 1987: 46).

Aufbauend auf der Brundtland Definition differenzieren die zwei Nachhaltigkeitsexperten Prof. Belz und Dr. Billharz nachhaltigen Konsum in eine engere und eine weitere Verständnisweise (7). Nachhaltiger Konsum im weiteren Sinne sei auf Produkte und Dienstleistungen umzusteigen, welche fairer sind und weniger Fläche der Erde einnehmen würden, als die konventionellen Produkte oder Dienstleistungen dieser Art. Nachhaltiger Konsum im engeren Sinne sei Konsum, welcher andere Menschen weder benachteiligt noch dazu beitragen würde, dass der/die Konsumierende mehr als die ihm zustehende Fläche von etwa 1,6 globalen Hektar verbrauchen würde.

Die Balance zwischen zu wenig und unmöglich

Und damit aus der wissenschaftlichen Debatte wieder zurück zu meiner Real-Life Fragestellung: Lebe ich jetzt nachhaltig oder nicht? Ja & Nein ist wohl die Antwort. Im weiteren Sinne nach Belz & Bilharz konsumiere ich nachhaltig, da ich in den meisten Bereichen Produkte & Dienstleistungen verwende, welche fairer sind und weniger Platz auf der Erde einnehmen, als ihre Alternativen. Resultierend daraus nehme ich deutlich weniger Platz in Anspruch als der durchschnittliche Mensch in Deutschland und trage wohl auch zu weniger intra- und intergenerationaler Ungerechtigkeit bei. Trotzdem nehme ich aber noch doppelt so viel Platz in Anspruch als mir eigentlich zur Verfügung steht. Was Nachhaltigkeit im engeren Sinne angeht, bin ich also absolut katastrophal gescheitert.

Was sollte jetzt aber die Richtgröße für mich sein? Sollte ich weiter “nur” darauf achten, fairere & nachhaltigere Produkte zu konsumieren oder muss ich streng darauf achten so zu leben, dass ich maximal 1,6 anstatt der derzeitigen 3 globalen Hektar verwende? Ist es in Deutschland überhaupt möglich nur eine Erde zu verwenden? Allein der Sockelbetrag (kollektiver Fußabdruck durch Infrastruktur wie etwa Straßen oder Schulen) beträgt 0,9 globale Hektar (1). Bleiben also nur 0,7 globale Hektar übrig für Ernährung, Mobilität, Wohnen und sonstigen Konsum. Da darf kaum eine Feuertonne unter der Brücke (unter welcher dann gelebt werden muss) angemacht werden.

Andererseits, reicht Nachhaltigkeit im weiteren Sinne? Was besser ist, ist nach dieser Verständnisweise zwar nicht am besten, aber eben trotzdem gut. Niemand weiß wirklich wo der “Point of no Return” beim Klimawandel liegt, aber es wird klarer und klarer, dass wir immer näher an ihn heran rasen. Immer näher an eine Zukunft, welche geprägt sein wird durch einen globalen Verlust an Sicherheit und Lebensqualität im nie dagewesenen Maße. Ist besser da wirklich gut genug?

Bisher habe ich über nachhaltigen Konsum auf persönlicher/ individueller Ebene gesprochen, doch was bedeutet das für Unternehmen? Für Erzeugende würde das bedeuten, dass ihre Produkte im weiteren Sinne nachhaltig sind, wenn sie sozial & ökologisch besser sind als konkurrenz Produkte. Produkte wären im weiteren Sinne nachhaltig, wenn es realistisch ist, dass die Konsumierenden auch trotz oder gerade wegen des Konsumierens des Produktes nicht mehr als hochgerechnet eine Erde verwenden müssen und zu keinen intra- oder intergenerationalen Ungerechtigkeiten beitragen.

Aber auch hier stellt sich die gleiche Frage: reicht es, besser als die Konkurrenz zu sein oder muss ein Unternehmen seine Kunden:Innen via seines Produktes aktiv dabei unterstützen weniger als eine Erde zu verwenden und intra-oder intergenerationale Benachteiligungen zu verhindern? Ich persönlich bin der Meinung, ersteres reicht im Angesicht der vor uns stehenden Herausforderungen nicht mehr und zweiteres ist zu unrealistisch um als Orientierung dienen zu können. Aber wenn wir über eine nachhaltige Wirtschaft und F&B-Branche sprechen , was meinen wir dann damit?

Quellen

  1. Brot für die Welt Website (2020): Fussabdrucktest.
  2. Zürcher, Ulrich (1965): Die Idee der Nachhaltigkeit unter spezieller Berücksichtigung der Gesichtspunkte der Forsteinrichtung.
  3. Reisch, Lucia A./ Schmidt, Mario (2017): Nachhaltige Entwicklung.
  4. Carlowitz, Hans C. (1713): Sylvicultura oeconomica.
  5. Grunwald, Armin (2010): Wider die Privatisierung der Nachhaltigkeit.
  6. Fischer, Daniel/ Michelsen, Gerd/ Blättel-Mink, Birgit/ Di Giulio, Antonietta (2011): Nachhaltiger Konsum — Wie lässt sich Nachhaltigkeit im Konsum beurteilen.
  7. Belz, Frank-Martin/ Bilharz, Michael (2007): Nachhaltiger Konsum, geteilte Verantwortung und Verbraucherpolitik.

Der European Green New Deal & OURZ: Blockchain für die Farm2Fork-Strategie

von Julian | 18. Jun, 2020

Also, Europa hat einen neuen grünen Deal. Die wohl spannendste Botschaft: Die EU sieht den Klimawandel als größte Herausforderung unserer Zeit und möchte jetzt doch auch mal etwas dagegen machen. 50 Jahre nachdem die Menschheit in Stockholm bei der ersten UN-Klimakonferenz offiziell festgestellt hat, dass sie ihre Umwelt verändern kann und beschützen muss, stellt die EU nun fest, dass das ja doch insgesamt eventuell tendenziell als schon eher potenziell recht wichtig angesehen werden kann. Gratulation an uns!

Aber immerhin, lieber spät als nie. Kopf in den Sand stecken bringt ja auch nichts, der wird schließlich durch den Klimawandel auch unangenehm heiß und ist bestimmt voller Mikroplastik. Lass uns also als OptimistenInnen einen Blick auf die angestrebten Reformen werfen.

“The European Green Deal […] is a new growth strategy that aims to transform the EU into a fair and prosperous society, with a modern, resource-efficient and competitive economy where there are no net emissions of greenhouse gases in 2050 and where economic growth is decoupled from resource use.” (EU 2019: The European Green Deal: S. 2)

Darstellung von European Commission (2019): The European Green Deal: S. 3 // Bearbeitet von OURZ

Die Transformation, welche die EU anstrebt, schreit förmlich in allen Bereichen nach der Blockchain-Technologie. Sowohl der Teilaspekt des Deals “supplying clean, affordable and secure energy” als auch “mobilising industry for a clean and circular economy” und “accelerating the shift to sustainable and smart mobility” zielen genau in jene Bereiche, in welchen es derzeit besonders viel Aktivitäten in der Blockchain-Welt gibt. Ein Punkt liegt uns von OURZ aber natürlich ganz besonders am Herzen und wir sind froh, dass dieser jetzt mehr Aufmerksamkeit erhält.

Seit 2018 ist die Mission von OURZ “Transparente Lebensmittel vom Feld bis zum Teller” und jetzt, drei Jahre später, hat dieses es geschafft, Buchstabe für Buchstabe, eins der Hauptziele der EU für eine transformierte Wirtschaft zu werden!

Unserer Meinung nach wurde das auch höchste Zeit! Es braucht mehr Aufmerksamkeit für holistische Ansätze zur Reform der Food & Beverage-Branche . Die industrielle Landwirtschaft hängt eng zusammen mit u.a. Sklaven- & Kinderarbeit, Meeres- & Grundwasserverschmutzung, Lebensmittelverschwendung & Hungersnöte, resistenten Keimen & Zoonosen, Bienensterben & Biodiversitätsverluste, Urwaldrodungen & Treibhausgasemissionen, Betrug & Greenwashing und anderen unschönen Dingen. Fakt ist aber: Wir brauchen die Landwirtschaft, neben der bäuerlichen wohl auch die industrielle. Fakt ist außerdem auch: Viele LandwirtschaftlerInnen sind zutiefst besorgt um die Natur und sind die VorreiterInnen einer besseren grünen Zukunft.

Im 18ten Jahrhundert, vor den industriellen Revolutionen, der damit einhergehenden Arbeitsteilung und der immer weiter voranschreitenden Globalisierung, wussten die Menschen (meist) noch sehr genau woher ihr Essen stammte. Unter welchen Bedingungen die Tofu-Tierchen grasten war genauso leicht zu überprüfen, wie die Herkunft des Hopfen fürs Bier oder des Weizen fürs Brot. Außerdem kannten Mann, Frau und Diverse auch ihre MetzgerInnen, BrauerInnen und BäckerInnen persönlich. Langjährige, teilweise intergenerationale Beziehungen konnten, gemeinsam mit Vertrauen, entstehen.

Heute ist es kaum bis gar nicht mehr nachvollziehbar woher das eigene Essen stammt und wer damit etwas zu tun hatte. Das öffnet natürlich Tor und Tür und Fenster und Katzenklappe für die oben beschriebenen Probleme. Wenn wir aber nicht mehr nachvollziehen können woher unser Essen stammt, wie Gesund dieses für uns ist und wie fair und nachhaltig es bezüglich sozialer und ökologischer Aspekte ist, dann können wir diesen Aspekten auch nicht mehr Vertrauen. Lebensmittelbetrug und Greenwashing sind leider Alltag geworden. Simmel stellte schon vor über 100 Jahren fest: „Der völlig Wissende braucht nicht zu vertrauen, der völlig Nichtwissende kann vernünftigerweise nicht einmal vertrauen“. Und ich möchte dem noch hinzufügen, dass selbst Frauen und Diverse das auch nicht können! Das einzige, bei dem wir noch alle gemeinsam wissend sind: Der Kaufpreis. Ob dieser günstiger oder teurer ist als bei anderen Produkten können wir sehr leicht nachvollziehen. Vernünftigerweise ist der Kaufpreis daher auch das Produktattribut, nach dem wir unsere Kaufentscheidung am stärksten ausrichten. Da die wahren Kosten von unseren Lebensmitteln versteckt bleiben, können wir uns folglich auch nicht nach diesen richten.

Blockchain ändert das. Sie ist die Technologie, um eine direkte und vertrauensbildende Verbindung zwischen allen am Wertschöpfungsprozess Beteiligten wiederherzustellen.

Recap: Blockchain

Eine Blockchain ist eigentlich nur eine Datenbank, auf welcher Einsen und Nullen gespeichert werden. Wie beispielsweise etwa ein USB Stick. Doch während Du auf deinem USB Stick Daten so wild löschen und verändern kannst, wie du nur willst, ohne das es irgendjemand mitbekommen oder nachvollziehen könnte, geht das auf einer Blockchain nicht. Das liegt im Wesentlichen an zwei ihrer Eigenschaften.

Erstens: Sie ist eine Back-to-end Datenbank. Alle Daten, welche auf einer Blockchain gespeichert werden, bleiben für immer auf ihr gespeichert. Daten, welche neu hinzukommen, dürfen den vorangegangenen nicht widersprechen, um gespeichert werden zu können. Man kann auf der Blockchain also noch lügen, wenn dies nicht durch andere zusätzliche Technologien verhindert wird, man kann sich aber dann nicht mehr widersprechen. Ziemlich schwer in unserer komplexen Welt da noch zu Betrügen.

Zweitens: Sie ist eine verteilte Datenbank, die so genannte Distributed Ledger Technologie. Daten sind nicht mehr zentral an einer Stelle gespeichert, sondern alle haben jetzt Kopien der Daten. Neue Daten müssen nicht nur zu den vorherigen passen, sondern auch eine Mehrheit derjenigen, welche die Blockchain benutzen, muss den neu hinzugefügten Daten zustimmen. Nur dann werden die neuen Daten auf der Blockchain verewigt. Und selbst wenn man versuchen würde Dich zu betrügen, Du wirst es auf jeden Fall mitbekommen, da Du ja eine eigene Kopie aller Daten hast. Es entsteht nach dem eben bereits erwähnten Blockchain-Visionär Tapscott: “trust through clever code”.

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Zurück jetzt aber zum großen Deal der EU und insbesondere der Farm2Fork Strategie. Was soll die eigentlich beinhalten? Es geht um eine nachhaltige Lebensmittelproduktion, um eine nachhaltige Lebensmittelverarbeitung und -verteilung, um nachhaltigen Konsum und um die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Also mit anderen Worten, es geht um Nachhaltigkeit vom Feld bis zum Teller und es geht um OURZ. Im folgenden möchte ich gerne einmal aufzeigen, was wir bereits für die Farm2Fork Strategie liefern und woran wir aktiv am Arbeiten sind.

1. OURZ Sustainable Food Production

Wie bereits beschrieben, wir Menschen haben die Beziehung zu unserem Essen verloren. Blockchain kann das ändern -OURZ ändert das. KonsumentenInnen erhalten einen direkten Einblick in die Historie ihres Produktes und können eine Verbindung zu diesen herstellen, sie wieder wertschätzen lernen. Derzeit können KonsumentenInnen dies via eines Herzens bei uns in der Webapp ausdrücken. In unserer nächsten App Version, an welcher wir bereits fleißig arbeiten, wird es dann noch deutlich mehr Möglichkeiten geben in Interaktion zu treten!

OURZ bietet außerdem einen digitalen Marktplatz. Nachhaltigkeitsorientierte ProduzentenInnen und bald auch KonsumentenInnen können auf diesem vertrauensbasiert einkaufen, wenn gewünscht angeleitet von einem Fairness- Algorithmus, welcher Kooperation und Koopetition fördern kann. LandwirteInnen erhalten eine zusätzliche Absatzplattform aber auch mehr Planungssicherheit. Zusammen mit Solino und der Hochschule Geisenheim University forscht OURZ derzeit daran, wie das Bestellmanagement zwischen ProduzentenInnen und LandwirteInnen automatisiert, verbessert und dadurch auch resilienter gestaltet werden kann. Der nächste Schritt ist die in Betriebnahme unserer bis Dato rudimentären AI, welche allen Parteien auf unserer Blockchain verlässliche Planungsratschläge gibt und somit schnellere Entscheidungsmöglichkeiten ermöglicht und natürlich auch für Resilienz sorgt.

Alles in allem zusammengefasst: Food-ErzeugerInnen erhalten das Wissen und die Sicherheit die sie brauchen, um Nachhaltigkeit priorisieren zu können.

2. OURZ Sustainable Food Processing & Distribution

Was den LandwirtenInnen hilft, hilft natürlich auch jenen, welche ihr Business auf deren Arbeit aufbauen! Echtzeitdaten, das neue Zauberwort mit gleich drei T.. Sind einmal Daten auf der Blockchain eingetragen (am besten automatisch über Cyber-Physische Systeme) stehen sie sofort allen anderen zur Verfügung (oder zumindest denjenigen, welchen Zugang dazu gewährt werden soll). Beschaffungsmanagement kann über den OURZ-Marktplatz deutlich dynamischer und effizienter gestaltet werden, ohne den LandwirtenInnen Planungssicherheit zu nehmen. Schon jetzt birgt das die Möglichkeit, signifikante Effizienssteigerungen in vertikalen und horizontalen Supply Prozessen zu generieren und wir haben grade erst angefangen unsere Tech 4.0 Ideen zu verwirklichen!

Aber nicht nur Upstream gibt es viele Möglichkeiten. Speziell Flussabwärts sorgt die Blockchain-Technologie, also OURZ, für einen mitreißenden Nachhaltigkeitsstrom. Die meisten Menschen in der EU wollen nachhaltig einkaufen, aber die wenigsten geben an, dies auch tatsächlich umzusetzen. Dieses Phänomen nennt sich Verhaltens-Einstellungs Lücke und ich habe mich bereits in meinen letzten Artikeln mit den Ursachen und möglichen unternehmerischen Lösungsansätzen beschäftigt. Ganz kurz zusammengefasst: Damit Nachhaltigkeit (welche ja nicht mit unseren Sinnesorganen im Supermarkt wahrgenommen werden kann) verkauft werden kann, müssen KonsumentenInnen auch an diese glauben. Sie müssen allen am Wertschöpfungsprozess Beteiligten vertrauen, auch wenn sie diese gar nicht kennen. OURZ erschafft eine glaubwürdige Transparenz entlang der Wertschöpfungskette und hilft ProduzentenInnen dabei Qualität und Nachhaltigkeit aufzuzeigen und nachzuweisen. Wir von OURZ können unfaire Unternehmen zwar nicht dazu zwingen ihre auf Mensch und Umwelt externalisierten Kosten zu offenbaren, wir können aber den Fairen ermöglichen aufzuzeigen, dass ihre Preise die wahren Preise sind. #truecost

Mit unserer nächsten Version der Konsumenten*Innen App, werden dann noch ganz andere Wege zur Überbrückung der Einstellungs-Verhalten-Lücke gepflastert. Unter anderem werden Vertrauensmanagement, Engagement & Co-Creation völlig neu gedacht! Auch heute schon helfen wir nachhaltigen ProduzentenInnen dabei, ihre Produkte vertrauensgenerierend online zu vertreiben. In Zukunft wollen wir ihnen über die App zusätzlich einen riesigen vertrauensbasierten Marktplatz anbieten, sodass nachhaltige Lebensmittelprodukte noch mehr den Markt erobern können.

Natürlich soll zukünftig unsere OURZ AI auch den ProduzentenInnen helfen. Wie viel von welchem Produkt müssen wann angefertigt und wohin geliefert werden und woher können die Ressourcen dafür bezogen werden und wann sollte dies geschehen. Während die OURZ-Echtzeittransparenz bei Just-in-Time Produktion hilft, hat uns die Corona-Krise gezeigt, dass dieses Verfahren nicht immer das beste sein muss. Unsere AI wird auf Basis der Echtzeitdaten und ihres eigenständig angeeigneten Wissens Perfect-Time Produktion ermöglichen!

3. OURZ Sustainable Food Consumption

Die KonsumentenInnen wollen nachhaltig konsumieren. Die meisten wissen, was für sie, ihre Kinder & Enkel auf dem Spiel steht. Das es ihnen bis Dato nicht sooo gut gelingt, liegt nicht nur an ihnen. Verwirrende Verpackungen, irreleitende Label und ganz viel durch Green-Washing verspieltes Vertrauen. Sich beim Einkaufen, sei es nun digital oder analog, an die eigenen Werte und Interessen zu halten, ist also extrem schwierig. OURZ hilft. Wir ermöglichen es sowohl in hektischen Situationen schnell verwertbare Informationen bezüglich der Nachhaltigkeit eines Produktes zu erhalten, als auch später die gesamte Historie in all ihren Facetten vor allem vergleichbar nachvollziehen zu können.

Wir geben KonsumentenInnen wieder die Möglichkeit eine Beziehung zu ihren Produkten und den Menschen, welche an diesen beteiligt waren, aufzubauen. Dadurch fördert unser Ansatz nachhaltigen Konsum.

4. OURZ Food Loss & Waste Prevention

Der offensichtlichste Vorteil von OURZ: Mit vertrauenschaffenden Echtzeitdaten und einem dynamischerem Beschaffungsmanagement können wir schon heute dazu beitragen, den Verlust von Lebensmitteln an allen Stellen zu reduzieren. Unsere AI wird den Verlust dann bald durch intelligente Bedarfshinweise noch stärker reduzieren können. Aber auch in anderen Aspekten können wir helfen.

Wenn bisher Verunreinigungen von Bestandteilen von Produkten auftreten, ist es oft nur schwer nachvollziehbar, in welchen Produkten und Chargen die verunreinigten Ressourcen verarbeitet wurden. Viel zu viele Lebensmittel müssen daraufhin entsorgt werden. Mit der OURZ Blockchain-Technologie lässt es sich ganz genau nachvollziehen, welche Produkte betroffen sind — in Sekunden! Ein schnelles, effektives und produktgenaues Rückrufmanagement ist dadurch bis hin zu den EndkundenInnen möglich.

Unsere neue App wird des Weiteren KundenInnen warnen können, wenn sich ihre Produkte ihrem MHD nähern. Außerdem, wer schmeißt schon noch gute Lebensmittel weg, wenn sie weiß, welche Arbeit und wieviel Liebe hinter dem Produkt stehen?

Die Zukunft von gestern ist Heute! Was vor zehn Jahren noch Science Fiction war ist heute nur noch, ganz schlicht und einfach, Science. Wir von OURZ haben unter anderem mit unserem Partner Solino bewiesen, dass die Blockchain-Technologie entlang von Wertschöpfungsketten funktioniert und unternehmerisches Gewinnstreben auf eine einzigartige Weise mit Nachhaltigkeit verbindet.

Missversteh mich bitte richtig, die enormen Herausforderungen vor welchen wir stehen, können natürlich nicht einfach nur durch Technologien gelöst werden (wie es leider viele Denken)! Es braucht einen gemeinsamen Kraftakt von ErzeugerInnen, ProduzentenInnen, DienstleisterInnen, KonsumentenInnen und PolitikerInnen in allen nur erdenklichen Bereichen. Das ändert aber nichts daran, dass die F&B-Branche unbedingt ins 21. Jahrhundert katapultiert werden muss. Teil des gemeinsamen Kraftaktes muss es daher sein, innovative und einzigartige Unternehmungen zu fördern. Je innovativer und einzigartiger ein Startup oder eine Initiative ist, desto schwieriger ist es Unterstützung für die oft als zu visionär angesehenen Missionen zu finden. Das muss sich ändern!